Und hier noch die Gegendarstellung der Hausbewohner zur CDU-Pressekonferenz:
Das Eckhaus mit der Nr. 31 ist eines der am längsten selbstverwalteten Wohnprojekte in Deutschland. Seit über 35 Jahren wird durch das Eigenengagement der BewohnerInnen preiswerter Wohnraum und soziales Miteinander garantiert. Seit einiger Zeit möchte die Hausgemeinschaft das Grundstück und die Immobilie von der Stadt erwerben, um anschließend im Rahmen des alternativen Sanierungskonzepts langfristig das stadtbildprägende Gebäude zu erhalten.
Zu der Pressekonferenz der Grevener Str. 31 und des AStA wurde eingeladen, um die in der Pressekonferenz der CDU am 12.2.08 getätigten Aussagen richtig zu stellen.
1.) „Fehlende Kompromissbereitschaft der Hausbewohner“
Nach dem einseitigen Abbruch der Gespräche durch die CDU verurteilt diese das Verhalten der Hausgemeinschaft. Dabei waren die in der Öffentlichkeit als Ergebnis offen angekündigten Treffen zu keiner Zeit ein Dialog.
-> Während die HausbewohnerInnen Kompromissbereitschaft zeigten, in dem sie den Erwerb von Grundstück und Gebäude sowie die anschließende Sanierung mit Eigenleistung anboten, beantwortete die CDU nicht einmal offene Fragen und beharrte zu jeder Zeit auf den Abrissplänen.
2.) Ausbau der Grevener Straße inkl. Fahrradweg, Parkbuchten und Busspur:
Die Verwaltungsgrundlage (vorgestellt im Planungsausschuss am 6.12.07) sieht sowohl bei Erhalt als auch bei Abriss der Nr. 31 im Kreuzungsbereich eine dreispurige Fahrbahn inkl. Radweg vor. Nach Abriss würde als einziger Unterschied in Kreuzungsnähe ein begrünter Mittelstreifen entstehen (siehe Anhang).
-> Die Argumentation, das Haus würde den Verkehrsfluss einschränken, entbehrt zwar jeglicher Planungsgrundlage, wird aber wiederholt als Legitimation für den Abriss verwendet.
3.) „Goldene Brücke“:
„Kompromißangebot“ von CDU und Wohn+Stadtbau bleibt ein Scheinangebot. Entgegen der Behauptung von Dieter Maager, die W+S hätte grünes Licht gegeben, hat bislang keinerlei inhaltliche Auseinandersetzung im Aufsichtsrat der W+S stattgefunden (siehe MZ vom 15.2.08: Ratsherr und Aufsichtsratsmitglied der W+S Udo Reiter).
-> Der in den Gesprächen zwischen CDU und Hausgemeinschaft wenig erläuterte und niemals schriftlich formulierte Vorschlag wurde nach unserer Ablehnung daraufhin gegenüber der Presse aufgebläht, was allgemeines Unverständnis für unsere Entscheidung hervorrief.
4.) Grundstücks- und Hauswert:
Entgegen der Aussagen der CDU, die Werte würden sich auf insgesamt ca. 600 000 Euro belaufen, teilte uns die Verwaltung bei unserem Treffen im Januar mit, dass der ermittelte Kaufpreis für das Gebäude bei ca. 150 000 Euro und der Grundstückswert laut Katasteramt bei ca. 140 000 Euro liegen würde.
-> Die Hausgemeinschaft soll nun für eine verfehlte Wohnungsbaupolitik aufkommen, die in den letzten Jahren vermieden hat, Gelder in den Erhalt der Häuserzeile Grevener Straße 31-59 zu investieren. Die regierenden Parteien ließen die von der Stadt gekauften Häuser verfallen bis sie teilweise unbewohnbar waren und vermietet bis heute den Leerstand trotz hoher Nachfrage nicht mehr.
Millionenprojekte wie die Musikhalle belegen, dass es hier nicht am Geld, sondern am politischen Willen mangelt.
5.) Verkauf des Gebäudes an die Hausgemeinschaft wäre nicht möglich, da öffentliche Ausschreibung zwingend vorgeschrieben wäre:
Die CDU unterschlägt, dass ein bedingungsloser Verkauf an die Hausgemeinschaft möglich wäre. Aus wirtschaftlichen und politischen Interessen prüfen sie dieses Verfahren nicht einmal und schließen es damit kategorisch aus. Weiterhin befürchtet die Koalition, die Hausgemeinschaft könnte durch einen späteren Hausverkauf Gewinne erzielen und Dritte könnten dann die stadtplanerischen Ziele des sozialen Wohnungsbaus gefährden.
-> die Hausgemeinschaft will und kann dies rechtlich ausschließen: Nach dem Kauf des Gebäudes durch den eingetragenen Hausverein, der mit dem Mietshäusersyndikat (http://www.syndikat.org) eine GmbH gründet, sind niedrige Mieten garantiert und wird der Weiterverkauf an Dritte ausgeschlossen. Die Hausgemeinschaft hat dies der Verwaltung, den Parteien und der Öffentlichkeit bereits mitgeteilt.
6.) Laut Dieter Maager sei das Kompromissangebot bundesweit einmaliges Verfahren:
Hierbei handelt es sich um eine Behauptung, durch welche der scheinbare Wert dieses Angebotes künstlich erhöht wurde. Bereits in Münster zeigt das Projekt „am Breul“, das 1999 im Rahmen des bundesweiten „Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus“ (ExWoSt) durchgeführt wurde, dass unter Mithilfe der BewohnerInnen eine gezielte Sanierung plan- und finanzierbar ist
(siehe:
http://www.muenster.de/stadt/exwost/projekt_III1.html).
Auch in über 20 Städten wurden bereits Wohnprojekte, die unserem sehr ähneln, von den Stadträten unterstützt. Hier hat mensch erkannt, dass derart traditionelle und geschichtsträchtige Bauten seht wichtig für das jeweilige Stadtbild sind (http://www.syndikat.org).
7.) Das alternative Sanierungskonzept stelle die angeblich nötige Summe von rund 770 000 Euro nicht infrage, so Maager:
Aus welchem Grund hätten wir ansonsten ein alternatives Gutachten in Auftrag geben sollen ? wie bereits mehrfach von der lokalen Presse berichtet, lassen sich die notwendigen Maßnahmen – die auch den viel zitierten Brandschutz umfassen – weitaus günstiger realisieren. Hierfür würden etliche überflüssige Teilbereiche ausgegliedert, wie Briefkasten mit Gegensprechanlage, neue Fensterbänke, Fernseh- und Antennenanlagen, Baumfällarbeiten, Anlegen von Grünflächen, Sperrmüllentsorgung, die kürzlich erfolgte erneute Dachdeckung des Erkers etc.
-> Die Prüfung unseres alternativen Sanierungskonzeptes erfolgte durch die Verwaltung und das Architektenbüro Knoche, also dem Akteur, der das städtische Gutachten erstellte und sich den Zuschlag für die Sanierungsmaßnahmen erhoffte. Eine unabhängige Analyse und Bewertung konnte angesichts dieses Sachverhalts nicht erfolgen (zur Ansicht).
8.) Die Hausgemeinschaft:
Sie besteht gegenwärtig aus 18 und nicht wie berichtet aus 25-30 MieterInnen.
Die Hausgemeinschaft fordert:
1) Die Aufhebung des veralteten und äußerst umstrittenen Bebauungsplans, die Rücknahme des Handlungskonzepts von CDU und FDP sowie die externe Prüfung der Bausubstanz der Grevener Str. 31-55 für deren mögliche Sanierung.
2) Die Prüfung des bedingungslosen Verkaufs des gegenwärtigen Grundstückes Nr. 31 an den Hausverein (im Mietshäusersyndikat).
3) Ergebnis offene Gespräche mit Verwaltung und Koalition.
4) Die Entscheidung für den Erhalt des Gebäudes im Planungsausschuss der Stadt.