Alter: 29 Anmeldedatum: 21.07.2005 Beiträge: 1411 Ort: MS Kronenburg
03.03.2010 19:58
cypher hat geschrieben:
jedem des seine, aber wenn man sich so seltsam auftakelt wie das manche schwule machen muss man sich nicht wundern wenn sich andere lustig machen
Schon richtig, aber zwischen "sich drüber lustig machen" und "die Tötung des Ungeziefers fordern" liegen ja doch Welten.
Was die anderen Soundboys angeht puzzle ich mal mit: Schappi verzichtet ausdrücklich auf solche Tunes und bei Chalwa dürften sie auch nicht auf der Einkaufsliste stehen..
Was die Musik angeht würde ich gerne aufgrund der political correctness und so auf die entsprechenden lieder verzichten, aber dummerweise gehören ein paar chichiman tunes zu meinen absoluten favoriten und da hat mein musikgeschmack eindeutig priorität
Wie wärs denn, wenn du lieber mal selber überlegst, ob du das mit deiner Einstellung vereinbaren kannst oder nicht? Und dann vielleicht auch konsequent? Man findet doch auch Nazis nicht nur doof, weils die gesellschaft vorschreibt oder?
Schappi verzichtet ausdrücklich auf solche Tunes..
Im Prinzip stimmt das ja - nur mit dem Aspekt, das es kein Verzicht für mich sondern ausdrücklich meine Einstellung ist!! Diskriminierung wird nicht schöner oder harmloser, weil sie mit schöner Musik untermalt ist. Ebenso wenig sind Neonazis sympatischer weil sie mittlerweile auch langhaarige dabei haben.
Hier ein Song über den man sich gerne mal Gedanken machen kann - trifft meine jedenfalls ganz gut:
den tune von raggabund gibtsschon länger,
und ich hab Uwe Kaa und Dr. Volkanikman mal als Leute befragt,
die sich noch besser in der Szene auskennen als ich:
Niemand kennt auch nur eine Textzeile, die dieses Thema in deutschen
Reggae-Lirycs behandelt. außer eben in diesem.
Was das Ausland angeht: Bei Tanja Stephens gibts eine sehr sehr mutige Strophe dazu, und eine clevere
dazu.
ich hoffe ich wiederhole mich hier nicht. Aber falls jemand da mehr weiß?
Würd mich sehr interessieren.
uwe
p.s. soweit ich weiß, wollte Nosliw immer mal was zu dem thema machen, das hats aber wohl bisher nicht bis zur Veröffentlichung geschafft. arm find ich das. Erschreckende Sprachlosigkeit in deutschen Texten, wenn es um Themen geht, die wirklich anliegen.
p.s. soweit ich weiß, wollte Nosliw immer mal was zu dem thema machen, das hats aber wohl bisher nicht bis zur Veröffentlichung geschafft. arm find ich das. Erschreckende Sprachlosigkeit in deutschen Texten, wenn es um Themen geht, die wirklich anliegen.
da muss man differenzieren, finde ich.....
ich weise des öfteren mal mit ausrufezeichen in dubplates auf die thematik hin, fühle mich aber nicht veranlasst einen regulären song zum thema zu machen.
wenn dein thema durchweg " Toleranz, Oneness, Wahrheitsfindung, Liebe etc..." ist, finde ich bleiben auch in meinem fall keine fragen offen.....
will sagen: wenn ein künstler das thema nicht punktgenau "streift", dann kann das viele gründe haben....
und ich kann überhaupt nicht beurteilen, warum andere künstler das nicht thematisieren...
ich hätte bei meinem output nie das gefühl, das das nötig wäre....
da sind die vermeintlich "spirituellen" yard künstler deutlich mehr in erklärungsnot.....
TRAURIG finde ich es allerdings, wenn nun - im gegensatz zu weiter oben im thread behauptetem - auch liebevoll in 10 jahren aufgebaute Partyreihen wie die YARDVIBES im düsseldorfer zakk zumachen müssen, weil der residierende sound sich weigert zu unterschreiben überhaupt keine songs mehr von künstlern zu spielen DIE JEMALS ETWAS HOMOPHOBES VERTONT HABEN........
heisst auf deutsch:
als guter sound kannste deinen plattenkoffer (mühsam über 20 jahre aufgebaut) nun zumachen, und die YARDVIBES wird es im april zum letzten mal geben.....
mir fehlen dafür die worte.....
das zakk ist für schwulen/lesben arbeit bekannt, die party lief immer ohne stress, viele sexuell-anders-orientierte gehörten über jahre zu den stammgästen.....
was für hippocrites sind das bitte (ja, in der schwulen chefetage des zakk), die sowas von ihrem langjährigen sound verlangen, der konsequent seine reihe einstampft, ABER DAS ZAKK DAS NOCH 2 MAL AUSHALTEN KANN, weil sie noch nix adäquates gewinnversprechendes für diesen termin in zukunft haben!!!!!!
TRAURIG finde ich es allerdings, wenn nun - im gegensatz zu weiter oben im thread behauptetem - auch liebevoll in 10 jahren aufgebaute Partyreihen wie die YARDVIBES im düsseldorfer zakk zumachen müssen, weil der residierende sound sich weigert zu unterschreiben überhaupt keine songs mehr von künstlern zu spielen DIE JEMALS ETWAS HOMOPHOBES VERTONT HABEN........
heisst auf deutsch:
als guter sound kannste deinen plattenkoffer (mühsam über 20 jahre aufgebaut) nun zumachen, und die YARDVIBES wird es im april zum letzten mal geben.....
mir fehlen dafür die worte.....
das zakk ist für schwulen/lesben arbeit bekannt, die party lief immer ohne stress, viele sexuell-anders-orientierte gehörten über jahre zu den stammgästen.....
es hat sich nie einer beschwert.....
HAMMER!
Yow..das sind Entwicklungen, die wirklich langsam die Existenz der ganzen Szene in Frage stellen können. Ich war persönlich auf der Februar-Yardvibes. Ein unglaubich angenehmer Dance, gut besucht, sehr heterogenes aggressionsfreies Publikum, geile Selection...Habe es bisher noch nie gehört, dass der MC eines Sounds sogar explizit am Micro durchgesagt hat, dass selbstverständlich alle Gäste, welcher sexuellen Neigung auch immer herzlichst eingeladen sind mitzufeiern. Dass das Zakk da da Probleme sieht, aber das Ganze dennoch noch zweimal stattfinden lässt ist echt lächerlich und zeigt, dass hier eher ökonomische Überlegungen eine Rolle spielen (bloß nicht in Verruf kommen...).
Ohne es heraufzubeschwören, sowas kann auch in Münster passieren..Denn das Thema wird immer weiter rhetorisch aufgekocht. In Münster gibt es ÜBERHAUPT kein Homophobie-Problem. Es gibt hier keinen Sound, der solche Inhalte promotet. Ich hab noch NIE davon gehört, dass es irgendwelche Anfeindungen gegenüber Homesexuellen auf einem Reggae-Dance in Münster gab..Natürlich gibt es immer irgendwelche Wannabe-Dummköpfe, die versuchen den Yardman zu machen, aber mal ehrlich..Die nimmt man doch sonst auch nicht ernst.......Dennoch passiert es mir immer häufiger, dass ich z.B. beim Flyerverteilen blöde Sprüche ernte..Bevor das Ganze in einem Kampf um die Opferrolle (Homosexuelle oder Reggaeszene) endet, sollte man mal nüchtern auf die Fakten gucken und sehen, dass es ein Homophobie-Problem in Münster einfach nicht gibt und man es auch nicht herbeireden sollte.
Zuletzt bearbeitet von U-Tek am 04.03.2010 20:17, insgesamt einmal bearbeitet
LION PAW-Münster's BIG BAD 2nd Saturday @ Triptychon
"Some find pleasure in spoiling a good thing" - Tarrus Riley
budenjunge vicepresident
Alter: 26 Anmeldedatum: 14.05.2005 Beiträge: 1573 Ort: MS
04.03.2010 19:09
naja, das ganze mit yardvibes hat ja scheinbar auch so seine vorgeschichte... siehe dhm-forum, direkt unter manus post. trotzdem will ich mir kein urteil bilden.
ich glaube nach wie vor nicht, dass es hier jetzt zu einer kettenreaktion kommen wird.
Wie wärs denn, wenn du lieber mal selber überlegst, ob du das mit deiner Einstellung vereinbaren kannst oder nicht? Und dann vielleicht auch konsequent? Man findet doch auch Nazis nicht nur doof, weils die gesellschaft vorschreibt oder?
Klar, hast schon recht und ich seh mich da auch in einem Dilemma. Aber ich kenne meine Einstellung und die ist alles in allem ziemlich tollerant und selbst wenn ich homophobe Lieder höre ändert das nix daran. Nur weil ich ein paar Songs höre in denen es um irgendwelche grausamkeiten geht ziehe ich ja nicht los und pöbel homosexuelle an oder schlimmeres... und wer sich von musik zu sowas verleiten lässt ist schlicht und ergreifend bemittleidenswert und gehört weggesperrt...
Und wenn man dann tatsächlich 100% konsequent sein will dürfte man eben von entsprechenden Künstlern gar nix mehr hören oder auflegen und das führt dann zu aktionen wie manu ranking sie erwähnt hat, dass ganze partyreihen enden.
btw. auf der wikipedia seite über capleton steht
Zitat:
Der Aufruf "Fire bun batty bwoy!" ("Das Feuer möge den Schwulen verbrennen!") beispielsweise, sei metaphorisch zu verstehen. Das Feuer werde dabei nicht als Erscheinung der chemischen Verbrennung verstanden, sondern als bildhafter Ausdruck für die "reinigende Kraft Gottes".
die aussage halte ich persönlich für eine schadensbegrenzung, aber dennoch umschifft er das problem doch recht elegant ^^
naja, das ganze mit yardvibes hat ja scheinbar auch so seine vorgeschichte... siehe dhm-forum, direkt unter manus post. trotzdem will ich mir kein urteil bilden.
ich glaube nach wie vor nicht, dass es hier jetzt zu einer kettenreaktion kommen wird.
nee-nee....dieser,zugegebenermassen recht überflüssige vorfall, fand nach den hier dargestellten vorgängen statt....
Der Aufruf "Fire bun batty bwoy!" ("Das Feuer möge den Schwulen verbrennen!") beispielsweise, sei metaphorisch zu verstehen. Das Feuer werde dabei nicht als Erscheinung der chemischen Verbrennung verstanden, sondern als bildhafter Ausdruck für die "reinigende Kraft Gottes".
die aussage halte ich persönlich für eine schadensbegrenzung, aber dennoch umschifft er das problem doch recht elegant ^^
Da es immer wieder Verständnisprobleme zu geben scheint, was nun das Verbrennen oder Anzünden von Schwulen, dem Papst, Rom, Babylon oder was auch immer betrifft, bring ich mal etwas Licht ins Dunkel (oder etwas Feuer zu den Schwulen)!
Die Aussage hört sich vielleicht an wie Schadensbegrenzung, ist aber in der Tat KEINE, sondern nur die (fast) richtige Auslegungsweise der ursprünglichen Übersetzung.
Wer sich mit Bibeltexten & deren metaphorische Interpretation auseinandergesetzt hat weiß, dass mit Feuer kein Feuer gemeint ist, sondern die ERKENNTNIS!!! -> Parallelen zu Prometheus, der dem Volk das Feuer inform der Erkenntnis brachte
Ebenso wie bei etlichen anderen metaphorischen Überlieferungsfehlern, wie z.B., dass mit dem Lamm nicht immer das Lamm gemeint ist, sondern in vielen Fällen auch der Sohn Gottes, Jesus. -> Daher auch lammfromm
...
Könnte jetzt ewig so weitermachen, aber will euch ja nicht langweilen.
Wer also ebensolche Metaphern in Verbindung mit Homosexualität gebraucht, meint tatsächlich, dass sie zu der Erkenntnis kommen sollen, dass dieses nicht dem göttlichen (oder anders bezeichnet: dem evolutionärem) Prinzip des Lebens entspricht.
Dass das Ganze gerade für christliche Europäer missverständlich ist, speziell wenn Schwule zusammen mit dem Papst, Rom, Babylon,... quasi kollektiv verbrannt werden, liegt auf der Hand.
Inzwischen zeichnet sich aber eine Abkehr von dem metaphorischen Sinn hin zur direkten Botschaft im jamaikanischen Dancehall ab, was durch die teilweise menschenverachtenden Texte zu beobachten ist, die dem Grundprinzip des Reggae widerstreben.
Alle in ein und denselben Topf zu schmeißen nur weil einige viele JA-Youth den metaphorischen Sinn selbst nicht mehr begreifen halte ich deswegen für falsch & für nicht differenziert genug. Die Brisanz der Thematik erfordert aber ein gesellschaftspolitisches Umdenken auf Jamaika, was einer kleinen Revolution gleichkäme. Schließlich sind die verkrusteten Strukturen der Strafverfolgung gegen Homosexuelle schon seit Slavemaster-Tagen beständig. Dieses Verbot hatte (wie so oft) einen ganz simplen Grund: Homosexualität bringt keinen neuen Sklavennachwuchs & erhöht den gleichgeschlechtlichen Zusammenhalt unterhalb der Plantagenarbeiter. Dies war selbstverständlich nicht im Sinne der Downpresser, die stets Misstrauen sähten & Informer extra vergüteteten um gefährlichen Entwicklungen innerhalb der Gruppe im Vorfeld den Gar auszumachen. So wurden die Informer stets belohnt & die Störenfriede kurzerhand ihrerseits als Informer tituliert & dem Zorn des Pöbels überlassen. -> Daher auch der stets vorhandene Argwohn & Hass gegenüber Informern
Richtig traurig finde ich, dass sich nach der Unabhängigkeit Jamaikas daran nicht viel geändert hat, weil Schwule & Lesben nach wie vor von der dortigen Gesellschaft als schwächlich, minderwertig & nicht überlebensfähig angesehen werden und sie deshalb gesellschaftlich nicht tragbar sind.
Dass diese veralteten Ansichten weiterhin übernommen & noch verschärft werden, zeigt uns auf welcher Ebene sich der Großteil der jamaikanischen Bevölkerung leider noch immer befindet, nämlich der untersten.
Vielleicht kennt ihrs auch noch aus der Schule, dass Schwache Schwächere unterdrücken nur um selbst als stärker zu gelten.
Ein kleiner JA-MC der stets unten gehalten wurde ist da nicht anders & will auch mal ein Hochgefühl (auch wenns auf Kosten der Schwächeren geht)!
DANK an alle, die sich die Mühe gemacht haben sich durch den Text zu arbeiten!
Anbei noch mein Motto zum Thema, vertont vom King of Reggae himself, der sich damit einiges wagte:
"who the cap fit, let them wear it"
JEGLICHE HOMOPHOBIE IN DEUTSCHLAND IST UNBEGRÜNDET & DEPLAZIERT!!! Wer das nicht versteht kann gerne nach JA auswandern & mit Vybz Kartel nen Batty-Tune aufnehmen (der hier dann hoffentlich auf dem Index landet)
Arbeite, als bräuchtest du kein Geld!
Liebe, als habe dir nie Jemand etwas zu Leide getan!
Singe, als ob dir Niemand zuhöre!
Lebe, als sei dies das Paradies auf Erden!
naja, das ganze mit yardvibes hat ja scheinbar auch so seine vorgeschichte... siehe dhm-forum, direkt unter manus post. trotzdem will ich mir kein urteil bilden.
ich glaube nach wie vor nicht, dass es hier jetzt zu einer kettenreaktion kommen wird.
der beitrag wurde vom verfasser gelöscht, wg fehlinformationen.
übrigens das ganze (in deutlich kleinerem rahmen) auch vor ein paar monaten beim regular "under me city" von mystical force und soundshine in aachen passiert.
gleiches schema: eine linksorientierte location "AZ" hat zunächst die auflage erteilt keine homophoben tunes mehr zu spielen (was denke ich in d sowieso mittlerweile als selbstverständlich gelten sollte) und später dann die forderung gestellt jegliche songs von künstlern die jemals.............aus der setlist zu streichen.
finde es halt schade, dass gerade von der linken/alternativen/antifa szene aus so pauschalisiert wird. will jetze auch nich die opferrolle umkehren, aber man muss ja echt mittlerweile, wie manu und utech es ansprechen mit vorurteilen leben.
Hier auch mal ein Tune von mir . Ich denke, dass man in JA tatsächlich über die Humor-Schiene etwas erreichen könnte. In Comedy werden ja nicht selten gesellschaftliche Tabus auf die Schüppe genommen und neu ausgehandelt. Und wenn Snoop (die Ami-Rapper sind bei den Ghetto Youths, selbst bei den Artists Halbgötter) bei 2:20 "He's gay..ok" sagt, dann bewirkt das in JA mit Sicherheit mehr als jedes Auftrittsverbot..
"Some find pleasure in spoiling a good thing" - Tarrus Riley
cypher schau ab und zu vorbei
Anmeldedatum: 25.07.2009 Beiträge: 6
05.03.2010 00:28
@Ras Jah Niz: danke für den beitrag, sehr aufschlussreich
aber eins versteh ich nicht so ganz. wenn die chefs vereinzelt unschuldige sklaven umgebracht haben, die von anderen veraten wurden warum fangen dann die sklaven an die zu hassen, die getötet wurden und nicht (wenn überhaupt) die verräter?